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27.07.2026

Saarwirtschaft: Trendwende lässt weiter auf sich warten

Unternehmen bleiben trotz erster Reformimpulse zurückhaltend

Die wirtschaftliche Erholung im Saarland kommt angesichts der nach wie vor ungelösten strukturellen Probleme nicht voran. Das signalisieren die Meldungen der Unternehmen zu ihrer aktuellen Geschäftslage und zu den Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Gegenüber dem Vormonat legte der IHK-Lageindikator lediglich um 0,4 Punkte auf 6,8 Zähler zu. Getragen wird dieses leichte Plus vom Dienstleistungssektor. Die Industrie, insbesondere die Automobilzulieferindustrie, gab dagegen bei der Lageeinschätzung etwas nach. Der IHK-Erwartungsindikator verbesserte sich zwar um 2,8 Zähler auf minus 11,1 Punkte. Die leichte Verbesserung der Geschäftserwartungen darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die wirtschaftliche Dynamik weiterhin schwach bleibt. Zwar hat die Bundesregierung zuletzt ein Reformpaket mit einigen Entlastungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Gleichzeitig sorgen jedoch die weiterhin hohen Standortkosten und der wieder aufgeflammte Konflikt am Persischen Golf für neue Unsicherheit und zusätzlichen Preisdruck bei Energie und Rohstoffen. Die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate bleiben deshalb überwiegend von Zurückhaltung geprägt.

„Von einer wirtschaftlichen Trendwende kann auch im Juli noch keine Rede sein. Das von der Bundesregierung vorgelegte Reformpaket enthält zwar einige richtige und längst überfällige Schritte. Für einen selbsttragenden Aufschwung reicht es jedoch bei Weitem nicht aus. Deutschland bleibt ein überregulierter Hochkostenstandort. Solange Unternehmen bei Energiepreisen, Steuern, Sozialabgaben und Bürokratie nicht spürbar entlastet werden, bleibt privates Kapital an der Seitenlinie. Die Folge sind ausbleibende Investitionen, weniger Innovationen und schwächeres Wachstum. Zusätzliche Unsicherheit geht derzeit von den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten aus, die Energie- und Rohstoffpreise weiter unter Druck setzen. Gerade in diesem Umfeld braucht der Standort mehr Wettbewerbsfähigkeit statt zusätzlicher Belastungen. Die Bundesregierung muss den Reformkurs jetzt konsequent fortsetzen und den Unternehmen wieder mehr unternehmerische Freiräume eröffnen“, so kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé die Ergebnisse der Juli-Umfrage der IHK Saarland, an der sich rund 300 Unternehmen mit gut 90.000 Beschäftigten beteiligten.

Insgesamt bewerten 25 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut oder sehr gut, 57 Prozent als befriedigend und 18 Prozent als schlecht. Im Verarbeitenden Gewerbe ist die Lage durchwachsen. Gut laufen die Geschäfte nur in der Keramikindustrie sowie in Teilen der Stahlindustrie. Überwiegend befriedigend ist die Geschäftslage dagegen in der Elektroindustrie, im Ernährungsgewerbe, in der Metallerzeugung, im Stahlbau, im Maschinen- und Anlagenbau, in der Medizintechnik, in der Automobilzulieferindustrie sowie in der Bauwirtschaft. Deutlich angespannt bleibt die Situation in der Gummi- und Kunststoffindustrie sowie bei den Gießereien.

Im Dienstleistungsgewerbe berichten 77 Prozent der Unternehmen von guten oder zumindest befriedigenden Geschäften. Besonders positiv entwickelt sich weiterhin die IT-Wirtschaft. Bei Banken und Versicherungen sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe überwiegen befriedigende Lageeinschätzungen. Im Handel zeigt sich dagegen ein durchwachsenes Stimmungsbild. Die anhaltende Konsumzurückhaltung macht sich insbesondere bei höherpreisigen Anschaffungen bemerkbar.

Wirtschaftspolitisches Aufbruchssignal erforderlich

Für die kommenden sechs Monate bleiben die Aussichten der Saarwirtschaft verhalten. Lediglich fünf Prozent der Betriebe rechnen mit besseren, 16 Prozent hingegen mit schlechteren Geschäften. Die verbleibenden 79 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus.

„Das Reformpaket der Bundesregierung enthält einige richtige und längst überfällige Schritte – insbesondere beim Abbau von Bürokratie, bei Krankschreibungen und bei der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren. Der große wirtschaftspolitische Befreiungsschlag bleibt jedoch aus. Nach wie vor fehlen zentrale Strukturreformen, etwa bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit. Gleichzeitig sorgen höhere Steuern und weiter steigende Sozialabgaben für zusätzliche Belastungen. Deutschland bleibt damit ein Hochkostenstandort mit im internationalen Vergleich zu hohen Arbeits- und Abgabenkosten. Das bremst Investitionen, schwächt die Wettbewerbsfähigkeit und kostet Wachstum.

Umso wichtiger ist es jetzt, dass die angekündigten Entlastungen schnell, konsequent und ohne neue bürokratische Hürden umgesetzt werden. Entscheidend ist nicht die Ankündigung neuer Maßnahmen, sondern ihre schnelle und verlässliche Umsetzung. Darüber hinaus braucht Deutschland weitere Reformen, die Unternehmen spürbar entlasten und privates Kapital wieder in Investitionen, Innovationen und neue Arbeitsplätze lenken.

Deutschland braucht jetzt ein wirtschaftspolitisches Aufbruchsignal, das wieder Lust auf Leistung, Arbeiten, Investieren und Gründen macht. Denn Wachstum entsteht vor allem durch Menschen und Unternehmen, die Verantwortung übernehmen, Risiken eingehen und unternehmerisch handeln. Nur wenn Vertrauen, Planungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit zurückkehren, werden Unternehmen wieder verstärkt investieren, Arbeitsplätze schaffen und Innovationen vorantreiben. Genau diese Dynamik braucht unser Land, um Wohlstand und Beschäftigung dauerhaft zu sichern“, so Thomé.

Ansprechpartner

Carsten Meier (Bild) | November 2021

Geschäftsbereich: Wirtschaftspolitik und Unternehmensförderung

Dr. Carsten Meier

Tel.: +49 681 9520-400Fax: +49 681 9520-488E-Mail: