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Kein Frühjahrsaufschwung am Saar-Arbeitsmarkt
Die Arbeitslosigkeit ist im April entgegen dem langjährigen
saisonalen Verlauf leicht gestiegen. Ein Frühjahrsaufschwung ist damit
nach wie vor nicht in Sicht. Ursächlich dafür sind die vom Iran-Krieg
ausgelösten weltwirtschaftlichen Turbulenzen sowie die anhaltenden
strukturellen Belastungen der Wirtschaft. Die Saar-Arbeitslosenquote
stieg von 7,4 auf 7,5 Prozent. Im Bund verharrte sie trotz leicht
gesunkener Arbeitslosenzahl bei 6,4 Prozent. Aktuell sind hierzulande
39.583 Menschen arbeitslos. Das sind 329 Arbeitslose mehr als im März
und 31 mehr als im April 2025. Während im ersten drei Quartal des Jahres
die Zahl der Arbeitslosen im Saarland jeweils unter dem Niveau des
Vorjahresmonats lag, zeigt sich damit jetzt wieder das Bild der
vergangenen drei Jahre. Denn neben den externen Schocks hat sich an den
strukturellen Rahmenbedingungen bislang wenig geändert: steigende
Energiekosten, hohe Abgaben und ausufernde Bürokratie belasten die
Unternehmen weiterhin in ihrer gesamten Breite und die
Personalanpassungen insbesondere im Verarbeitenden Gewerbe schreiten
weiter voran.
Auch im Ranking der Bundesländer zeigt sich unverändert die
relative Schwäche des Saar-Arbeitsmarktes. Nach wie vor weisen nur sechs
Länder eine höhere Arbeitslosenquote auf als das Saarland. Ein Blick
auf den Spitzenreiter Bayern mit seiner aktuellen Quote von 4,1 Prozent
belegt, wie groß der Rückstand ist. Schlusslicht im Ländervergleich
bleibt Bremen mit aktuell 11,5 Prozent.
In den einzelnen Teilsegmenten des Arbeitsmarktes verlief die
Entwicklung im April erneut uneinheitlich. So sank die Arbeitslosenquote
der unter 25-Jährigen hierzulande von 6,6 auf 6,4 Prozent und im Bund
von 6,0 auf 5,8 Prozent. Dagegen stieg die Quote der 55 bis unter
65-Jährigen im Saarland von 7,4 auf 7,5 Prozent, im Bund hingegen sank
sie erneut leicht von 6,7 auf 6,6 Prozent. Verbessert hat sich im Bund
erneut auch die Ausländerarbeitslosigkeit: von 14,7 auf 14,5 Prozent. An
der Saar stagniert sie weiter bei 19,9 Prozent. Ausländer stellen im
Land 36,0 und im Bund 35,8 Prozent aller Arbeitslosen (registriert nach §
16 SGB III). Insgesamt gesehen hinkt das Saarland dem Bund in allen
Teilsegmenten des Arbeitsmarktes weiterhin mehr oder weniger deutlich
hinterher.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an der Saar
ist im Februar gegenüber Januar (neuere Daten liegen noch nicht vor)
leicht gestiegen (+1.100 Stellen). Mit 386.400 Stellen verzeichnet das
derzeitige Beschäftigungsniveau allerdings wieder ein deutliches Minus
gegenüber dem Vorjahresmonat: -5.382 Stellen. Das entspricht einem
Beschäftigungsverlust von 1,3 Prozent im Vergleich zum Februar 2025.
Seit mehr als zwei Jahren sinkt die Beschäftigung an der Saar
kontinuierlich. Der Beschäftigungsaufwuchs, der im langjährigen Mittel
im Saarland immer noch +0,2 Prozent beträgt, verkehrt sich als Folge der
strukturellen Probleme des Landes sowie des unsicheren
weltwirtschaftlichen Umfelds nach und nach in sein Gegenteil.
Im aktuellen Länderranking der Beschäftigungsentwicklung liegen das
Saarland mit -1,3 Prozent (gegenüber Vorjahresmonat) diesmal auf dem
letzten Platz. In allen Bundesländern bis auf Hamburg und Niedersachsen
ist die Beschäftigung inzwischen rückläufig. Dies erklärt dann auch,
dass im Bund insgesamt die Beschäftigung inzwischen sinkt (-0,3 Prozent)
und damit deutlich unter dem langjährigen Bundesschnitt von +1,1
Prozent liegt.
„Der Frühjahrsaufschwung fällt in diesem Jahr aus. Statt der
üblichen Belebung ist die Arbeitslosigkeit im April sogar leicht
gestiegen – eine Entwicklung, die wir zuletzt im Corona-Jahr 2020
gesehen haben. Das ist ein klares Warnsignal. Die Gründe sind
offensichtlich: Der Iran-Krieg verunsichert die Weltwirtschaft massiv.
Gleichzeitig bleiben zentrale strukturelle Probleme am Standort Saarland
ungelöst. Diese Doppelbelastung trifft den Arbeitsmarkt mit voller
Wucht. Unternehmen reagieren entsprechend vorsichtig, stellen weniger
ein – und im Verarbeitenden Gewerbe setzt sich sogar der Stellenabbau
unvermindert fort. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen
verschärfen die Lage zusätzlich: Hohe Energiepreise, steigende
Arbeitskosten und überbordende Bürokratie bremsen Investitionen und
Beschäftigung gleichermaßen. So kann kein Aufschwung entstehen. Was es
jetzt braucht, ist ein klarer Kurswechsel. Die Bundesregierung muss die
Wachstumskräfte entschlossen freisetzen – mit einer mutigen
Reformagenda, die Kosten senkt, Verfahren beschleunigt und Investitionen
wieder attraktiv macht. Denn nur wenn Unternehmen wieder Vertrauen
fassen und Spielräume für Wachstum zurückgewinnen, entstehen neue
Arbeitsplätze. Voraussetzung für Beschäftigung ist Wachstum.“ So
kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé die heute von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit
vorgelegten Arbeitsmarktzahlen.