Industrieland Saarland droht Flächenengpass – IHK fordert grund-legende Nachbesserungen beim Landesentwicklungsplan
Thomé: „Flächenmangel gefährdet Transformation, Neuansiedlungen und industrielle Arbeitsplätze“
17.02.2026
Die
IHK Saarland sieht im Entwurf des neuen Landesentwicklungsplans (LEP)
erheblichen Nachbesserungsbedarf und warnt vor schwerwiegenden Folgen für die
wirtschaftliche Zukunft des Landes. Aus Sicht der Wirtschaft wird der Entwurf
der zentralen Herausforderung nicht gerecht, Industrie- und Gewerbeflächen in
ausreichender Zahl und Qualität zu sichern. „Die Verfügbarkeit von Industrie-
und Gewerbeflächen ist eine Schlüsselfrage für die Zukunft des Industrielandes
Saarland. Wenn im Saarland nicht ausreichend Flächen vorhanden sind, werden
Erweiterungen ausbleiben, Investitionen scheitern und wirtschaftliche
Wertschöpfung abwandern. Deshalb müssen jetzt die richtigen Entscheidungen
getroffen und der Landesentwicklungsplan konsequent auf ausreichende
Flächenvorsorge ausgerichtet werden, damit industrielle Entwicklung im Saarland
auch künftig möglich bleibt“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé.
Strukturwandel in Kernbranchen erfordert neue Flächen für tausende Arbeitsplätze
Der
Strukturwandel trifft die industriellen Kernbranchen des Saarlandes mit voller
Wucht. Insbesondere in den Sektoren Stahl, Automobil und Metall stehen die
Unternehmen unter erheblichem Anpassungs-, Wettbewerbs- und Kostendruck.
Effizienzsteigerungen, Automatisierung und veränderte Marktbedingungen werden
in den kommenden Jahren zu weiteren, tiefgreifenden Veränderungen der
industriellen Beschäftigungsstruktur führen. Nach aktuellen Schätzungen könnten
allein in diesen industriellen Schlüsselbranchen bis zu 20.000 Arbeitsplätze
bis 2035 wegfallen. Diese Entwicklung macht es erforderlich, neue
wirtschaftliche Perspektiven zu schaffen und durch Unternehmenserweiterungen
wie auch durch gezielte Ansiedlungen neue Beschäftigung zu ermöglichen.
Gleichzeitig hat sich der Flächenbedarf pro Arbeitsplatz durch moderne
Produktions- und Logistikstrukturen deutlich erhöht. Hochautomatisierte
Industrie-, Logistik- und Produktionsstandorte benötigen heute durchschnittlich
rund 350 Quadratmeter Fläche pro Arbeitsplatz. „Allein um den absehbaren
Beschäftigungsrückgang in der Industrie zu kompensieren, ergibt sich ein
Flächenbedarf von rund 700 Hektar. Berücksichtigt man zusätzlich notwendige
Flächenreserven für Erweiterungen und Neuansiedlungen, liegt der tatsächliche
Bedarf bei über 1.000 Hektar. Der vorliegende Entwurf bleibt mit rund 573
Hektar deutlich hinter diesem Bedarf zurück. Diese Lücke gefährdet die
wirtschaftliche Erneuerung des Saarlandes“, so Thomé.
Ohne Flächen keine Transformation und keine Neuansiedlungen
Gerade
jetzt braucht das Saarland neue wirtschaftliche Standbeine – etwa in den
Branchen Logistik, Pharma, Life Sciences oder sicherheitsrelevanter Industrie.
Die Verfügbarkeit geeigneter Flächen ist dabei eine zentrale Voraussetzung für
Investitionen und Neuansiedlungen. „Transformation bedeutet nicht nur
Veränderung bestehender Strukturen, sondern auch den Aufbau neuer
wirtschaftlicher Perspektiven. Ohne ausreichend verfügbare Flächen verliert das
Saarland die Fähigkeit, den industriellen Strukturwandel aktiv zu gestalten und
neue wirtschaftliche Stärke zu entwickeln“, sagt Thomé.
Industrieflächen müssen konsequent und dauerhaft gesichert werden
Die IHK begrüßt, dass bestehende Industrie- und Gewerbestandorte grundsätzlich gesichert werden sollen. Gleichzeitig warnt sie ausdrücklich davor, diese Flächen durch nachträgliche Umwidmung oder Überplanung schrittweise zu entwerten.
„Industrie
braucht Verlässlichkeit und langfristige Planungssicherheit. Wenn einmal
ausgewiesene Industrie- und Gewerbeflächen später für andere Nutzungen geöffnet
oder eingeschränkt werden, untergräbt das Investitionsentscheidungen und
schwächt den Standort dauerhaft“, erklärt Thomé. „Gerade großflächiger
Einzelhandel darf nicht dazu führen, dass strategisch wichtige Industrie- und
Gewerbestandorte verloren gehen. Was heute für Industrie und Gewerbe vorgesehen
ist, muss auch morgen noch für Industrie und Gewerbe zur Verfügung stehen.“
Rohstoffsicherung ist strategische Grundlage industrieller Wertschöpfung
Deutlichen
Nachbesserungsbedarf sieht die IHK auch bei der Sicherung heimischer Rohstoffe.
Bau- und Industriemineralien wie Sand, Kies und Naturstein sind eine
unverzichtbare Grundlage für Infrastruktur, Wohnungsbau und industrielle
Produktion. Bereits heute übersteigt die Nachfrage im Saarland die heimische
Fördermenge deutlich. Gleichzeitig werden verfügbare Abbauflächen durch
konkurrierende Nutzungen eingeschränkt, während Genehmigungsverfahren zunehmend
langwierig und komplex sind und bestehende Genehmigungen auslaufen, ohne dass
ausreichend Ersatzflächen gesichert werden. „Rohstoffsicherung ist eine Frage
wirtschaftlicher Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit“, betont Thomé. „Wenn
heimische Rohstoffvorkommen nicht ausreichend gesichert werden, entstehen
Abhängigkeiten, höhere Kosten und zusätzliche Belastungen für Bauwirtschaft und
Industrie. Das schwächt den Standort und erschwert Investitionen.“ Diese
Flächen müssen daher als Vorranggebiete gesichert und verbindlich als Ziele der
Raumordnung festgelegt werden. Nur so kann eine verlässliche Rohstoffversorgung
gewährleistet und die Grundlage für Bau-, Infrastruktur- und Industrieprojekte
im Saarland langfristig gesichert werden.
Jetzt werden die wirtschaftlichen Weichen für Jahrzehnte gestellt
Die IHK appelliert an die Landesregierung, den Landesentwicklungsplan im weiteren Verfahren grundlegend nachzuschärfen und die Flächenvorsorge deutlich zu stärken.
„Das Saarland steht mitten in einer historischen industriellen Transformation. Ob es gelingt, den Verlust von Arbeitsplätzen in den industriellen Kernbranchen durch neue wirtschaftliche Perspektiven zu kompensieren, hängt entscheidend von den Standortentscheidungen ab, die heute getroffen werden. Der Landesentwicklungsplan muss deshalb ein echter Entwicklungsplan für wirtschaftliche Zukunft sein. Jetzt werden die Weichen dafür gestellt, ob das Saarland auch morgen ein starkes Industrieland ist“, so Thomé.