Wirtschaft lebt vom Vertrauen!
Von IHK-Präsident Dr. Richard Weber
Kolumne
01.03.2009
Die aktuelle Krise mag viele Ursachen haben. Aber sie ist vor allem eines: eine grundlegende Vertrauenskrise. Da lohnt es sich, einmal darüber nachzudenken, woher Vertrauen eigentlich kommt, wie es wirkt und warum es für das Funktionieren unserer Gesellschaft so entscheidend wichtig ist. Zunächst ist es schon alles andere als selbstverständlich, dass sich ein solches Verhalten im harten Überlebenskampf der Evolution über viele Jahrtausende überhaupt herausbilden und erhalten konnte. Vertrauen ist – neben Kampf oder Flucht – sozusagen die dritte Option, auf die Annäherung unserer Mitmenschen zu reagieren und mit ihnen umzugehen. Vertrauen ist riskant. Es kann, wie viele in jüngster Zeit schmerzlich erfahren mussten, wenn schon nicht Leib und Leben, dann doch Haus, Hof und Vermögen kosten. Vertrauen „lohnt“ sich also nur, wenn alle mit hinreichender Sicherheit erwarten können, auch auf der Gegenseite auf Fairness und Ehrlichkeit zu treffen. Ist dies nicht mehr der Fall, werden wir rasch lernen, unser Verhalten zu ändern.
Interessanterweise ist das Grundmuster „Vertrauen“ aber bereits in unseren Genen angelegt. Es muss also einen spürbaren Selektionsvorteil bedeutet haben, wenn sich Vertrauen und Fairness im Evolutionsprozess gegen List und Faustrecht durchsetzen konnten. In der Tat: Es spart einen enormen Aufwand an Energie – an Informations-, Such-, Schutz- und Rüstungskosten – wenn es für Individuen, Gesellschaften und Nationen die Regel ist, vertrauensvoll und fair miteinander umzugehen. Ein Sinnbild solchen Verhaltens ist der Umgang innerhalb von Familien oder Clans – aber auch der „ehrbare Kaufmann“, dessen sprichwörtlicher Handschlag genauso viel zählt wie ein dickes Vertragswerk. Mit dem Prinzip der Verlässlichkeit sind wir gut gefahren: Die Erfindung und der Erfolg des heutigen Geldes hängen daran, die Arbeitsteilung, der freie Handel, unser ganzer Wohlstand ...
Das Problem ist, dass es sich für Einzelne und vorübergehend durchaus lohnen kann, gegen die Regeln zu verstoßen. Dagegen helfen Sanktionen oder – noch wichtiger – ein „Common Sense“, der Regelverstöße ächtet. Ähnlich wie im Fußball: Rote Karte, Platzverweis, Spielersperre! Dieser Common Sense scheint uns in den letzten Jahren abhanden gekommen zu sein – und damit mehr und mehr auch das Vertrauen selbst. Wahrscheinlich liegt hier der Kern der gegenwärtigen Krise. Der Mangel an Vertrauen zeigt sich augenfällig darin, dass sich Banken nicht einmal mehr untereinander Geld leihen. Diese Krise ist aber längst auch bei den Menschen angekommen. Laut Forsa vertraut nur noch jeder zwölfte Bundesbürger den Managern von Großkonzernen, jeder sechste den politischen Parteien und gerade noch jeder dritte „der Wirtschaft“ allgemein. Selbst Gewerkschaften und Bundesregierung kommen kaum besser weg.
Misstrauen und mangelnde Fairness sind wie ansteckende Krankheiten: Sie sind gefährlich und breiten sich schnell aus, wenn das Immunsystem einmal versagt hat. Sie bedrohen unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Wer könnte dieser Epidemie begegnen – wenn schon Teile unserer wirtschaftlichen und politischen Eliten von dem Virus befallen sind?
Beginnen wir bei uns selbst! Die zitierte Umfrage macht sogar Mut dazu. Denn laut Forsa vertrauen mehr als drei Viertel der Deutschen – ihrem eigenen Arbeitgeber. Dieser Anteil ist sogar in den letzten Monaten noch gestiegen. Hätten Sie das geglaubt? Ausgerechnet wir Unternehmer haben die Chance, den Menschen wieder mehr Vertrauen zu geben. Diejenigen, die uns kennen, vertrauen uns ja bereits. Diesen Schatz an Vertrauen müssen wir sorgsam hüten, dieses Kapital können wir einsetzen, um den Virus des Misstrauens zu bekämpfen. Indem wir ehrlich und fair bleiben und dies selbstbewusst auch von allen anderen einfordern, die zur Führungselite gehören wollen. Indem wir ein Beispiel geben - durch verantwortungsbewusstes Handeln, durch gesellschaftliches oder soziales Engagement. Indem wir unsere Mitarbeiter und Geschäftspartner anspornen, sich in gleicher Weise einzusetzen.
Es lohnt sich. Ohne Vertrauen wird die Welt um vieles ärmer – keineswegs nur im übertragenen Sinne.
Interessanterweise ist das Grundmuster „Vertrauen“ aber bereits in unseren Genen angelegt. Es muss also einen spürbaren Selektionsvorteil bedeutet haben, wenn sich Vertrauen und Fairness im Evolutionsprozess gegen List und Faustrecht durchsetzen konnten. In der Tat: Es spart einen enormen Aufwand an Energie – an Informations-, Such-, Schutz- und Rüstungskosten – wenn es für Individuen, Gesellschaften und Nationen die Regel ist, vertrauensvoll und fair miteinander umzugehen. Ein Sinnbild solchen Verhaltens ist der Umgang innerhalb von Familien oder Clans – aber auch der „ehrbare Kaufmann“, dessen sprichwörtlicher Handschlag genauso viel zählt wie ein dickes Vertragswerk. Mit dem Prinzip der Verlässlichkeit sind wir gut gefahren: Die Erfindung und der Erfolg des heutigen Geldes hängen daran, die Arbeitsteilung, der freie Handel, unser ganzer Wohlstand ...
Das Problem ist, dass es sich für Einzelne und vorübergehend durchaus lohnen kann, gegen die Regeln zu verstoßen. Dagegen helfen Sanktionen oder – noch wichtiger – ein „Common Sense“, der Regelverstöße ächtet. Ähnlich wie im Fußball: Rote Karte, Platzverweis, Spielersperre! Dieser Common Sense scheint uns in den letzten Jahren abhanden gekommen zu sein – und damit mehr und mehr auch das Vertrauen selbst. Wahrscheinlich liegt hier der Kern der gegenwärtigen Krise. Der Mangel an Vertrauen zeigt sich augenfällig darin, dass sich Banken nicht einmal mehr untereinander Geld leihen. Diese Krise ist aber längst auch bei den Menschen angekommen. Laut Forsa vertraut nur noch jeder zwölfte Bundesbürger den Managern von Großkonzernen, jeder sechste den politischen Parteien und gerade noch jeder dritte „der Wirtschaft“ allgemein. Selbst Gewerkschaften und Bundesregierung kommen kaum besser weg.
Misstrauen und mangelnde Fairness sind wie ansteckende Krankheiten: Sie sind gefährlich und breiten sich schnell aus, wenn das Immunsystem einmal versagt hat. Sie bedrohen unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Wer könnte dieser Epidemie begegnen – wenn schon Teile unserer wirtschaftlichen und politischen Eliten von dem Virus befallen sind?
Beginnen wir bei uns selbst! Die zitierte Umfrage macht sogar Mut dazu. Denn laut Forsa vertrauen mehr als drei Viertel der Deutschen – ihrem eigenen Arbeitgeber. Dieser Anteil ist sogar in den letzten Monaten noch gestiegen. Hätten Sie das geglaubt? Ausgerechnet wir Unternehmer haben die Chance, den Menschen wieder mehr Vertrauen zu geben. Diejenigen, die uns kennen, vertrauen uns ja bereits. Diesen Schatz an Vertrauen müssen wir sorgsam hüten, dieses Kapital können wir einsetzen, um den Virus des Misstrauens zu bekämpfen. Indem wir ehrlich und fair bleiben und dies selbstbewusst auch von allen anderen einfordern, die zur Führungselite gehören wollen. Indem wir ein Beispiel geben - durch verantwortungsbewusstes Handeln, durch gesellschaftliches oder soziales Engagement. Indem wir unsere Mitarbeiter und Geschäftspartner anspornen, sich in gleicher Weise einzusetzen.
Es lohnt sich. Ohne Vertrauen wird die Welt um vieles ärmer – keineswegs nur im übertragenen Sinne.